Auch Wein hat Gefühle!
Wein ist wohl eines der am wenigsten verstandenen Dinge auf der Welt. Er wird hoch bewertet, ausgeleert, in den Arm genommen und mit Grimassen beleidigt.
Damit Sie in Zukunft Wein besser verstehen, und auf seine Gefühle Rücksicht nehmen können, gibt es diese Serie.
Schauen Sie regelmäßig rein, dann klappt das auch mit dem nächsten Tropfen!
Welchen Schaumwein für Silvester?

Damit Sie eine Antwort auf die Frage: "Was trinken wir da eigentlich?" geben können, einige Hinweise zu den gängigen Schaumweinen. Mehr bei "Sekt, Champagner & Co."
Die Herstellung von Schaumweinen ist seit langem bekannt. Sicher ist, dass es sich bei der Entdeckung um einen Zufall handelte. Durch eine Unterbrechung der Gärung im Winter blieb ein Teil des Zuckers übrig. Der Wein wurde abgefüllt und zu Beginn der wärmeren Jahreszeit begannen die Hefen wieder mit ihrer Arbeit. Da der Wein bereits in der Flasche war, blieb die entstehende Kohlensäure in der Flasche gefangen. Beim Öffnen war die Überraschung groß und man versuchte nachzuvollziehen, wie es dazu kam. Nachdem im 17. Jahrhundert geeignete Flaschen produziert werden konnten, die dem Druck stand hielten, nahm die kommerzielle Herstellung ihren Lauf. Schaumwein entsteht durch zwei Gärungen. Zuerst jene, die zum Wein führt und dann eine zweite, bei der die Kohlensäure aufgefangen wird. Natürlich geht das auch durch Zusetzen von Kohlensäure.
Aber was ist jetzt Sekt? Hierbei handelt es sich um in Deutschland hergestellten Schaumwein. Bei über 90 % kommen die Grundweine aus Frankreich, Spanien und Italien. Hier angekommen gibt es verschiedene Techniken, um die wichtigen Bläschen in den Wein zu bekommen. Bei Champagner kommen die Trauben und der Wein aus der Champagne. Bekannte Marken sind Veuve Clicquot und Moet & Chandon. Anderen Nationen und Regionen ist es verboten etwas auf das Etikett zu schreiben, das man mit Champagner verwechseln könnte. Also auch die früher übliche Nennung der Champagnermethode ist bei anderen Schaumweinen nicht mehr zulässig. Cava wird hergestellt wie Champagner, durch die sogenannte traditionelle Flaschengärung. Cava kommt aus Spanien und dort überwiegend aus dem Penedès, einer Region unterhalb von Barcelona. Die bekannteste Marke in Deutschland ist Freixenet. Crémant darf in verschiedenen Ländern Europas verwendet werden und trägt den Zusatz der Region. Crémant de Loire, Crémant Baden und so weiter. Die Voraussetzung ist die traditionelle Flaschengärung.
Wichtig bei Schaumweinen ist der eigene Geschmack. Die Perlen sind bei Schaumweinen aus traditioneller Flaschengärung kleiner, bei perlenden Weinen mit zugesetzter Kohlensäure sind die Perlen größer. Auf jeden Fall bitte beim Kauf einer Flasche Schaumwein 0,75 Liter mit einem Sektkorken bedenken: 1,02 Euro sind Schaumweinsteuer. Bei einer Flasche die 2,99 Euro kostet bleibt 1,97 Euro für den Schaumwein übrig. Da wird es mit der Qualität in der Flasche schwierig. Schaumweine sind in der Regel nicht zum Lagern gedacht. Maximal sollten die gängigen Marken nicht länger als ein Jahr im Keller aufgehoben werden. Das gilt nur dann, wenn die Flasche im Laden nicht schon seit Ewigkeiten im Regal steht. Sie haben eine Flasche im Keller und die liegt da schon eine Weile? Dann nehmen Sie die nächste Gelegenheit, z.B. gerade nach Hause gekommen, und genießen Sie das gute Stück.
Für Freunde der ausgefallenen Schaumweine noch zwei Tipps: Crémant de Limoux aus Frankreich und Franciacorta aus Italien. Und was ist mit Prosecco? Das erzähle ich gerne beim Seminar "Sekt, Champagner & Co.".
Sitzung 3

Hilft da eine Handcreme?
Analyse:
Dieses Phänomen betrifft meistens Rotweine. Rauh wird mit schweren, südländischen Weinen in Verbindung gebracht. Dabei trifft es auf Weine von bestimmten Rebsorten zu. Egal wo dieser Wein herkommt. Diese Rauheit ist zum größten Teil auf die Tannine zurückzuführen. Diese befinden sich in der Schale der Beeren, in den Kernen und Stilen. Manche Rebsorten sind von Natur aus weicher und andere, wie z.B. Nebbiolo oder Cabernet Sauvignon haben mehr Tannine. Und dann geht es los: wie reif war das Lesegut, wurde entrappt, wie stark wurde gepresst?
Falls ich diesen Weinen entgehen oder sie finden will, hilft das Seminar Basics 1 Weinbereitung und Basics 2 Länder und ihre Rebsorten. Dort kommt das Thema auf den Tisch. Und bei Basics 3 Sensorik erhalten Sie das Wissen, wie man diese Rauhheit umschreibt und mit was man sie auf keinen Fall verwechseln sollte.
Ach und Handcreme hilft da leider nicht! Aber zwei Würfelzucker können zumindest eine Linderung herbeiführen. Habe ich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in einem Restaurant erlebt.
Sitzung 2

Ist es denn ein Eiswein oder ein Eisweinchen?
Analyse:
Die Frage stammt von einem Dozent der Wein- und Sommelierschule in Koblenz. Aber was ist ein Eiswein? Mal so richtig rechtlich ausgepackt:
- Mindestmostgewicht 110-128 Oechsle
- in gefrorenem Zustand gelesen worden
- in gefrorenem Zustand gepresst worden
Oechsle sind ganz hart gesagt der Zuckergehalt der Trauben. Je höher desto süß. Wenn das mit gefroren nicht einleuchtend ist, dieses Wassereis in Stabform und in Plastikform gepackt ist farbig. Beim daran Saugen geht die Farbe weg und das gefrorene Wasser bleibt zurück. Genau das will man auch beim Eiswein erreichen. Der Geschmack soll rausgepresst werden und das Wasser bleibt zurück. Wieviel Geschmack in den Trauben ist, hängt u.a. von der Erntemenge ab. Die Arbeit im Weinberg ist extrem aufwändig und das Risiko beim Weinmachen sehr hoch. Es kann auch gut daneben gehen. Alles das macht den Eiswein sehr rar und teuer. Diese Eisweine riechen intensiv und schmecken nicht nur süß, sondern sind im Mund richtig interessant. Billiger Eiswein schmeckt süß ohne störende andere Aromen und ist klebrig. Die Trauben waren von entsprechend schlechter Qualität und daraus wird nur ein Eisweinchen. Sowas kann ich nicht ernst nehmen und hat den Namen Eiswein nicht verdient.
Sitzung 1

Keine Angst, das überleben beide Seiten!
Analyse:
Weinstein ist ein wunderschöner Kristall. Und als solchen betrachte ich ihn auch. Die Ablagerungen bilden sich durch Kälte, also hauptsächlich im Winter. Dieser Prozess wird in vielen Kellereien künstlich herbeigeführt, damit ich zuhause nicht auf die Steinchen stoße. Falls Weinstein sich doch in einer Flasche bildet, freue ich mich! Wieso? Na, weil die Kellerei dem Wein noch etwas Natürliches gelassen hat.


